19.04.2017

Faschismus

Der Faschismus ist eine Ideologie, die nach dem 1. Weltkrieg in Italien entstand. Der Begriff hat seinen Ursprung in der Eigenbezeichnung der von Benito Mussolini gegründeten Bewegung.

Die faschistischen Bewegungen in den verschiedenen Ländern – zum Beispiel der Nationalsozialismus in Deutschland – unterschieden sich voneinander. Aber es gibt auch Kriterien, die allen gemein waren bzw. sind und daher charakteristisch für den Faschismus angesehen werden können.

Ich orientiere mich dabei an Friedrich Hackers Buch „Das Faschismus Syndrom“. Die Merkmale, Hacker nennt sie „Kategorien des Faschismus-Syndroms“, habe ich bei der kleinen Zusammenstellung von ihm übernommen. Die deutsche Ausgabe des kleinen Büchleins ist 1990 im ECON Verlag erschienen (ISBN 3-430-13750-0).


„Maximierung von Ungleichheit“

Wir gegen die anderen: Die eigene Nation, die eigene Volksgemeinschaft, die eigene soziale Gruppe oder Partei wird gegenüber dem Rest scharf abgegrenzt bzw. andere, oft Minderheiten, ausgegrenzt. Unterschiede zu „den anderen“ werden erfunden, hervorgehoben oder verstärkt, Feindbilder im Innern und Äußeren aufgebaut. Die vermeintlichen Feinde werden herabgewürdigt und als minderwertig betrachtet, im Innern als „Volksfeinde“ beschimpft und bekämpft. Meist dient der Rassismus als Rechtfertigung für einen übersteigerten Nationalismus und die so definierte Ungleichheit der Nationen.


„Recht des Stärkeren“

Die „Stärke“, wie auch immer definiert, wird glorifiziert. Wir sind die Starken, die Besseren, die anderen sind schwach und schlecht. Und der Stärkere hat Recht. Recht des Stärkeren statt Stärke des Rechts.

Das gilt im Inneren, wo der Führer und seine Gruppe festlegen, was Recht ist, und gleichzeitig für sich in Anspruch nehmen, über dem Recht zu stehen. Das gilt ebenso nach außen. Die eigene Nation wird als stark, die anderen als schwach betrachtet.

Damit einher geht in der Regel einen Unterordnung der Frau unter dem Mann, da die „Stärke“ auch körperlich definiert und als männlich angesehen wird.


„Führerprinzip“

Auf Basis der genannten ersten beiden Punkte entsteht ein streng hierarchische Gesellschaft. Die Autorität geht ausschließlich vom Führer aus, die Unterordnung einer Gruppe – eines Staates, einer Volksgemeinschaft oder einer beliebige Organisationseinheit – ist absolut und ohne Einschränkung. Das Führerprinzip mit seinen eindeutigen Unter- und Überordnungen wird auf allen Ebenen etabliert.

Unterführer werden von der jeweils nächst höheren Ebene bestimmt und nicht von den Menschen gewählt, die sie vertreten (sollen). Grundsätzlich gibt es keine Mehrheitsentscheidungen wie in einer Demokratie, allenfalls Referenden als scheinbare Bestätigung des Führers durch die Geführten oder zur Aufrechterhaltung des demokratischen Scheins.

Um den Führer wird in der Regel ein umfangreicher Kult aufgebaut, er wird als gottgleich und unfehlbar dargestellt. Ihm gegenüber wird eine unverrückbare Treue und ein blinder Gehorsam gefordert.

Kritik an der Führung wird als „Volksverrat“ angesehen, der Führer mit Staat und Nation gleichgesetzt. Das ist die moderne Form des absolutistischen „L’État, c’est moi“ – „Der Staat bin ich“, ein Satz der dem französischen König Ludwig XIV. (1638 - 1715) zugesprochen wird.


„Irrationalität“

Fakten und Rationalismus spielen keine Rolle. Verschwörungstheorien werden gepflegt, einfache Lösungen und Schlagworte statt möglicherweise komplexe Lösungsansätze für komplexe Probleme präsentiert. Ein „gesundes Volksempfinden“, durch Propaganda geschürt und gesteuert, ist Rechtfertigung für das Handeln.


„Dauermobilisierung“

Das Leben ist ein andauernder Kampf, ständig werden Katastrophen vorhergesagt, neue Gegner und Feindbilder ausgerufen. Oft ist es auch immer der gleiche Feind in unterschiedlichem Gewand. Mit einfache Parolen in stetiger Wiederholung werden die Menschen mobilisiert, gerne auf inszenierten Massenveranstaltungen mit vielen Fahnen und/oder Uniformen.

Trotz der Glorifizierung von Stärke, Kraft und nationaler Größe wird die eigene kollektive Opferrolle stilisiert. Der ständige Kampf wird daher als Akt einer notwendigen, geradezu aufgezwungenen Selbstverteidigung betrachtet.


„Vereinheitlichung“, „organische Ganzheit“ und „Totaleinsatz“

Ziel ist eine vollständige Einigkeit und Einheit innerhalb der Gruppe – der Nation, der Volksgemeinschaft, der Partei. Auf nationaler Ebene bedeutet das die „Gleichschaltung“ aller gesellschaftlichen Bereiche und Gruppierungen. Dazu zählt natürlich auch die Presse, die ausschließlich im Dienst der Nation zu stehen hat.

Individualismus und Pluralismus werden als die Nation schwächende Elemente angesehen. Eine Uniformierung im Geiste – und nicht nur dort. Der Einzelne zählt nichts, die Nation oder die Volksgemeinschaft alles. Es findet eine Überhöhung der Nation als großem Ganzen statt, das durch „gemeinsames Blut“ miteinander verbunden ist, das durch den Führerwillen seinen Ausdruck findet, in dem der Einzelne völlig aufgeht und für das sich der Einzelne total und absolut loyal einzusetzen hat.

„Ein Volk, ein Reich, ein Führer“, hieß das einmal in Deutschland.


„Gewalt und Terror von oben“

Nicht alle befürworten ein faschistisches System, nicht alle profitieren davon, nicht alle sind Mitläufer. Die anderen müssen überzeugt oder ausgeschaltet werden, durch Angst, mit Gewalt und Terror, den Werkzeugen eines Polizeistaates.

Gewalt wird nicht nur als legitimes Mittel zur Durchsetzung der vermeintlichen Interessen der Bewegung angesehen, die oft nur die Interessen des Führers und seiner Gruppe sind und dem Machterhalt dienen – die Anwendung von Gewalt, Härte und Rücksichtslosigkeit gilt als männlich, als Zeichen von Kraft und Stärke.


„Das Uralte und das ganz Neue“

Eine vermeintlich großartige Vergangenheit, die „gute alte Zeit“, wird verklärt und mit der eigenen Bewegung in direkten Zusammenhang gebracht. Geschichtliche Fakten stören da oft. Die alte nationale Größe, so die Versprechen des Führers, soll mindestens wieder erreicht, wenn nicht übertroffen werden.

Gleichzeitig werden oft archaische Vorstellungen und Gesellschaftsmodelle glorifiziert, wie im Nationalsozialismus die der Germanen. Oder das, was man dafür hielt.