04.06.2020 • Seit Mitte Mai spielen die Fußballer der ersten und zweiten Bundesliga ihre Saison 2019/2020 zu Ende. In leeren Stadien.

Allerdings ist es für Sportjournalisten kaum möglich, darüber zu berichten, weil die Deutsche Fußball Liga (DFL) in ihrem Konzept, das von den zuständigen Stellen in den Bundesländern akzeptiert wurde, die Arbeit der Presse und die Medienvielfalt massiv einschränkt. Und das völlig unnötigerweise.

Ob Sky und Co ihr Produkt Fußball, für das sie viel Geld ausgeben, mit der notwendigen kritischen Distanz betrachten, darf bezweifelt werden. Da ist ein journalistisches Korrektiv notwendig.

Aber gerade einmal zehn schreibende Sportjournalisten sind in einem leeren Stadion, das sonst Zehntausenden Platz bietet, zugelassen. Noch unverständlicher: Nur drei Fotografen dürfen an den Spielfeldrand. Davon arbeitet einer in der Regel für die Vereine bzw. die DFL, einer ist von den großen Agenturen. Die Bilder des dritten Kollegen landen in einem Pool, aus dem sich auch andere (üblicherweise vor Ort akkreditierte) Fotografen bedienen können, was zur Folge hat, dass diverse Bildjournalisten die gleichen Fotos anbieten – die gar nicht von ihnen selbst stammen. Der eigentliche Urheber, der im Stadion gearbeitet hat, Unkosten hatte, geht möglicherweise, was eine Veröffentlichung und eine Honorierung angeht, leer aus.

Das mag ein solidarisches Konzept sein, das sich die Kollegen des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) ausgedacht haben, das versucht, aus den gegebenen Umständen das Beste zu machen. Aber die gegebenen Umstände sind großer Unfug, sollten dringend hinterfragt und geändert werden.

Selbst wenn man Fotografen auf festen Plätzen mit einem mehr als sicheren Abstand von zehn Metern hinter der Bande an den Kopfseiten und der Seite gegenüber den Spielerbänken platziert, wären das schon etwa 14 Arbeitsplätze, die eine Ansteckung ausschließen. Das ganze noch einmal auf den unteren Plätzen auf der komplett leeren Tribüne, dann könnte man zumindest 30 Fotografen zulassen. Unter Berücksichtigung der aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln. Der Presseraum ist natürlich dicht, was aber für die Fotografen egal ist, da sie üblicherweise direkt vom Spielfeldrand ihre Bilder versenden. Der Zugang ins Stadion müsste geregelt werden, aber das sollte nicht das Problem sein in einer Anlage, die für ganz andere Kapazitäten ausgelegt ist.

Die Einschränkungen für die Medien waren schon vor einigen Wochen, als die DLF das Konzept entwickelt hat, völlig überzogen. Mittlerweile gibt es außerhalb des Stadions diverse Lockerungen, die Fitnessstudios oder Restaurants und sogar die Freibäder haben wieder auf – aber im großen Stadion dürfen weiterhin nur drei Fotografen und zehn schreibende Journalisten sitzen. Nicht nachvollziehbar!

Es steht zu befürchten, dass dieser Virus „Zugangsbeschränkung für (Bild-) Journalisten“ auch auf andere Sportarten überspringt, wie beim Basketball schon passiert.

Mitte Mai hatte die DFL auf entsprechende Hinweise des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) geantwortet und darauf hingewiesen, dass man auf keinem Fall vom bestehenden „verbindlichen“ Konzept abweichen könne. In einem anderen Fall ging das aber sehr wohl: Am Tag vor dem ersten Spieltag wurden entschieden, dass die Trainer am Spielfeldrand doch keine Maske tragen müssen.

Aktuell haben Redaktionen von diversen Zeitungen gemeinsam mit dem DJV, dem VDS und dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV, früher Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger) einen weiteren Appell an die DFL und die Politik gerichtet:


Gemeinsamer Appell


Der DJV hat zudem in einer Umfrage versucht zu ergründen, inwieweit freie (Bild-) Journalisten coronabedingt in wirtschaftliche Not geraten sind. Gerade, aber nicht nur, freie Sportjournalisten haben massive Probleme: Keine sportlichen Veranstaltungen, keine Aufträge, keine Einnahmen. Und das seit Monaten. Die im Fußball tätigen Kollegen könnten jetzt wieder arbeiten – dürfen das aber in großer Mehrzahl nicht.


Umfrage: Freie brauchen Hilfe