12.08.2020 • Davon gab es bei den Deutschen Meisterschaften im Braunschweiger Eintracht-Stadion wahrlich mehr als genug. Nicht nur Deniz Almas vom VfL Wolfsburg wurde nach seinem Titelgewinn über 100 Meter in schnellen 10,09 Sekunden von der Sonne angestrahlt. Das sieht nach einer Wachablösung im deutschen Sprint aus: Almas, Jahrgang 1997, vor dem Kölner Joshua Hartmann (10,23), der noch einmal zwei Jahre jünger ist. Erst dann folgte mit dem mittlerweile 32-jährigen Julian Reus, zugleich deutscher Rekordhalter, der dominierende Sprinter der vergangenen Jahre.

Die brütende Hitze von 36 oder 37 Grad im nur spärlich vorhandenen Schatten ging an die Substanz aller Beteiligten. Wir Sportfotografinnen und Bildjournalisten waren sicher die Personengruppe, die am längsten und ausdauerndsten im sonnigen Innenraum unterwegs waren – nämlich die komplette Veranstaltung. Daher war es zweckmäßig und angemessen, die zunächst ausgegebene Regelung, die ganze Zeit Masken tragen zu müssen, unabhängig davon, ob Abstände eingehalten werden können, kurzfristig zu revidieren.

Die bisherigen Leichtathletik-Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen haben gezeigt, dass es während der meisten Zeit im Innenraum kein Problem ist, die nötigen Abstände einzuhalten. Das Stadion ist groß und es sind zudem weniger Sportfotografen und Bildjournalistinnen als üblich zugelassen. Was bringt eine Maske, wenn man mehrere Meter von der nächsten Person entfernt ist?

Ob nun meine Argumente oder ein sonstiger Erkenntnisgewinn zum Sinneswandel beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geführt haben, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hieß es Samstagmorgen vor dem Beginn der Wettkämpfe: Abstand halten, und wenn es doch einmal näher als zwei oder drei Meter sein sollte, Maske drüber ziehen. Eine sinnvolle Regelung! Ich hoffe, wir – mich inbegriffen – sind angemessen mit der (Masken-) Freiheit umgegangen. Es war auch so heftig genug. Ich bin immer noch platt …

Der Sonntag war noch der „kühlere“ der beiden DM-Tage in Braunschweig ...

Auch für die vielen ehrenamtlichen Kampfrichterinnen und Helfer war die DM ein hartes Brot und vielfach sicher eine Tortur. Sie waren zwar nicht so lange wie wir im Innenraum, haben sich in der Regel auch nicht so viel bewegt, mussten aber, wenn sie im Einsatz waren, immer eine Maske tragen.

Zehn Sportfotografinnen und Bildjournalisten hatten in Braunschweig eine Innenraum-Akkreditierung (übrigens, und das ist durchaus ungewöhnlich, waren das sechs Frauen und vier Männer). 13 weitere versuchten, das Geschehen von der Tribüne aus festzuhalten. Dazu kamen einige schreibende Kolleginnen und Kollegen. Alles recht überschaubar – aber deutlich mehr, als zuletzt bei der Fußball-Bundesliga ins leere Stadion durften.

Alle, die zur DM ins Eintracht-Stadion wollten, musste sich einer umfangreichen Eingangskontrolle unterziehen. Inklusive Temperaturmessung. Soweit ich das beurteilen kann, hat das Konzept des DLV zur Durchführung der Titelkämpfe recht gut funktioniert. Ich hoffe, wenn es 2021 zu den nächsten Deutschen Meisterschaften wieder nach Braunschweig geht, dass so etwas wie ein Hygienekonzept nicht mehr nötig ist. Und dann gerne auch wieder mit Zuschauern.